Der widerwilliger Sprachlerner

Obwohl Hebräisch weder meine Muttersprache noch eines meiner besten Fremdsprachen ist, war sie tatsächlich meine allererste. Mein hebräisches Studium fang an, als ich noch kein wirklicher Mensch war, als ich erstmals lernte zu sprechen, als meine Großmutter mir die hebräische und römische (d.h. englische) Alphabets gleichzeitig beibrachte. In meiner Schulzeit musste ich bis sechzehn Jahre alt an täglichen hebräischen Unterrichten teilnehmen, obwohl ich überhaupt nicht da sein wollte, und die Unterrichte überhaupt nicht genoß. Letztlich entschloss ich, so bald wie möglich diese höllischen Unterrichte zu verlassen, und ab dem elften Klasse (d.h. als ich sechzehn Jahre alt war) lernte ich Hebräisch nicht mehr. Mir gefielten weder die Unterrichte noch das Studium, und obwohl ich viele israelischen Verwandte habe (insbesondere mein lieber Stiefvater), fehlte mir es noch die Leistungsbereitschaft dafür, die Sprache richtig zu erlernen.

Während der letzten zwei Jahren meiner Schulzeit war ich froh, in den verhassten hebräischen Unterrichten nicht gehen zu müssen, und alles der Sprache was ich gelernt hatte, vergaß ich unverzüglich. Am Anfang der Unizeit lernte ich, dass jeder Student eine Fremdsprache richtig erlernen müssen, wenn er eine Prüfung seiner Sprachfähigkeiten nicht bestehen kann. Wohl wissend, dass ich auf keinen Fall eine solche Prüfung meines Hebräisches bestehen könnte, und dass ich auf keinen Fall wollte mein völlig vergessenes Hebräisch zu schärfen, entschloss ich an einem Deutschkurs für Anfänger teilzunehmen. Vorher dachte ich immer, als deutliches Ergebnis meines Scheiterns in den Hebräischunterrichten, dass ich gar keine Sprachlernpotenzial besaß, und auch dass ich nie den Prozess von Sprachenlernen genießen könnte. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz genoß ich die Unterrichte sehr, und ein Jahr später konnte ich Deutsch ganz gut sprechen, lesen, verstehen, und schreiben. Durch dieser Erfolg ermutigt, entschloss ich Fremdsprachen weiterzulernen: erstens Japanisch, und später auch Portugiesisch und Französisch.

Da ich schon derzeit fünf Fremdsprachen ziemlich fließend kannte, dachte ich ab und zu, dass ich irgendwann nochmals Hebräisch lernen sollte, zumal da ich schon zehn Jahre im Hebräischunterricht verbrachte - mir gefielen sie zugegebermaßen überhaupt nicht, doch verbrachte ich dort die Zeit auf jeden Fall. Also fang ich an, viele Vokabeln wiederzuholen, und ich war davon überrascht, dass mir so wenige Wörter vertraut erschienen. Trotzdem setzte ich zuversichtlich fort, zu lernen, online Unterrichte zu besuchen, verschiedene Lehrbücher und Apps zu benutzen, und natürlich mich mit meinem Stiefvater zu unterhalten.

Zurzeit gehört Hebräisch weder zu meinen stärksten Fremdsprachen, noch zu den Sprachen die ich leicht beherrsche, aber schrittweise lerne ich weiter, und dort liegt die treuste Freude des Sprachenlernens. Ich freue mich noch sehr darauf, eines Tages leichter hebräische Bücher und Zeitungen lesen zu können, und mich selbstsicher mit Muttersprachlern zu unterhalten, und bis dann bin ich mehr als zufrieden, den Weg zu genießen.