Tagebuch 13.3.2018

Ich habe in letzter Zeit Deutsch weder gesprochen noch geschrieben, aber dennoch habe ich viel gelesen. Außerdem “Trotzdem ja zum leben sagen,” das psychologische Meisterwerk Viktor Frankls, das ich mit der App LingQ lese, habe ich im Bücherschrank neben meinem Bett ein paar deutsche Bücher gelegen lassen, die ich vor einigen Jahren in Deutschland gekauft habe. Unter anderem gibt es einigen Romane von Hermann Hesse, eine Sammlung Kafkas Geschichten, und Atemschaukel, den bekanntesten Roman von Herta Müller, die den Nobelpreis vor einigen Jahrzehnte gewonnen hat.

 

Gleichzeitig habe ich angefangen, “Der Steppenwolf” und “Demian” von Hesse zu lesen, und ich war davon überrascht, wie [relativ] einfach es fühlt jetzt solche Bücher zu lesen. Ich erinnere mich gut daran, als ich vor einem Jahr versuchte “Siddartha” zu lesen. Es kann auch zwar etwas mit der Menge ausländischer Wörter darin zu tun haben, aber mir war es eine fast freudlose Erfahrung. Es kann auch sein, dass, wegen ihres relativ modernen Rahmen, sind “Demian” und “Der Steppenwolf” wesentlich einfacher zu lesen. In jedem Fall beeindruckt es mir noch, wie tief der Kanon deutscher Literatur geht, besonders im Vergleich zu anderen Sprachen. Zum Beispiel finde ich es noch ziemlich schwierig, interessantes Lesemittel auf Portugiesisch zu finden. Wenn jemand irgendeine Empfehlung hat, sag mir bitte Bescheid..

Der widerwilliger Sprachlerner

Obwohl Hebräisch weder meine Muttersprache noch eines meiner besten Fremdsprachen ist, war sie tatsächlich meine allererste. Mein hebräisches Studium fang an, als ich noch kein wirklicher Mensch war, als ich erstmals lernte zu sprechen, als meine Großmutter mir die hebräische und römische (d.h. englische) Alphabets gleichzeitig beibrachte. In meiner Schulzeit musste ich bis sechzehn Jahre alt an täglichen hebräischen Unterrichten teilnehmen, obwohl ich überhaupt nicht da sein wollte, und die Unterrichte überhaupt nicht genoß. Letztlich entschloss ich, so bald wie möglich diese höllischen Unterrichte zu verlassen, und ab dem elften Klasse (d.h. als ich sechzehn Jahre alt war) lernte ich Hebräisch nicht mehr. Mir gefielten weder die Unterrichte noch das Studium, und obwohl ich viele israelischen Verwandte habe (insbesondere mein lieber Stiefvater), fehlte mir es noch die Leistungsbereitschaft dafür, die Sprache richtig zu erlernen.

Während der letzten zwei Jahren meiner Schulzeit war ich froh, in den verhassten hebräischen Unterrichten nicht gehen zu müssen, und alles der Sprache was ich gelernt hatte, vergaß ich unverzüglich. Am Anfang der Unizeit lernte ich, dass jeder Student eine Fremdsprache richtig erlernen müssen, wenn er eine Prüfung seiner Sprachfähigkeiten nicht bestehen kann. Wohl wissend, dass ich auf keinen Fall eine solche Prüfung meines Hebräisches bestehen könnte, und dass ich auf keinen Fall wollte mein völlig vergessenes Hebräisch zu schärfen, entschloss ich an einem Deutschkurs für Anfänger teilzunehmen. Vorher dachte ich immer, als deutliches Ergebnis meines Scheiterns in den Hebräischunterrichten, dass ich gar keine Sprachlernpotenzial besaß, und auch dass ich nie den Prozess von Sprachenlernen genießen könnte. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz genoß ich die Unterrichte sehr, und ein Jahr später konnte ich Deutsch ganz gut sprechen, lesen, verstehen, und schreiben. Durch dieser Erfolg ermutigt, entschloss ich Fremdsprachen weiterzulernen: erstens Japanisch, und später auch Portugiesisch und Französisch.

Da ich schon derzeit fünf Fremdsprachen ziemlich fließend kannte, dachte ich ab und zu, dass ich irgendwann nochmals Hebräisch lernen sollte, zumal da ich schon zehn Jahre im Hebräischunterricht verbrachte - mir gefielen sie zugegebermaßen überhaupt nicht, doch verbrachte ich dort die Zeit auf jeden Fall. Also fang ich an, viele Vokabeln wiederzuholen, und ich war davon überrascht, dass mir so wenige Wörter vertraut erschienen. Trotzdem setzte ich zuversichtlich fort, zu lernen, online Unterrichte zu besuchen, verschiedene Lehrbücher und Apps zu benutzen, und natürlich mich mit meinem Stiefvater zu unterhalten.

Zurzeit gehört Hebräisch weder zu meinen stärksten Fremdsprachen, noch zu den Sprachen die ich leicht beherrsche, aber schrittweise lerne ich weiter, und dort liegt die treuste Freude des Sprachenlernens. Ich freue mich noch sehr darauf, eines Tages leichter hebräische Bücher und Zeitungen lesen zu können, und mich selbstsicher mit Muttersprachlern zu unterhalten, und bis dann bin ich mehr als zufrieden, den Weg zu genießen.